Schreibblockade nennt man das,

glaube ich zumindest. Aber Tatsache ist, dass ich in den letzten Wochen schon einige Male vor dem Computer saß, meinen blog öffnete und etwas für meine Gäste, Leser und Freunde schreiben wollte. Aber es ging nicht; Gedanken schwirrten im Kopf umher, Schöne Erlebnisse von und mit Gästen waren präsent im Kopf – doch aufschreiben konnte ich nix. Die Gedanken glitten ab, Nachdenklichkeit stellte sich ein und dann habe ich den blog wieder geschlossen und bin wieder in die Küche gegangen, oder zum Wandern mit den Gästen oder auch einfach nur ins Bett, wenn es mal spät abends war.

Der Grund für dieses eigenartige Verhalten ist der Tod meiner Mutter.

Geboren am 16. Januar 1944  und gestorben am 8. Januar 2013 nach langem tapfer ertragenem Kampf gegen den Krebs.

Ob diese Gedanken, die ich gerade niederschreibe, in den blog eines Urlaubshotels gehören, mag jeder Leser für sich selbst entscheiden. Ich habe jedoch das Gefühl, dass ich, bevor ich wieder von den schönen Dingen, den erlebnisreichen Wanderungen, den Bilder von den schön dekorierten Tellern u.v.m. berichten kann, das in mir beherrschende Thema – das was mich umtreibt einfach schreiben muss – denn es gehört dazu – zum Leben…

Unser Rosengarten ist ein Familienbetrieb und die Familie ist Teil des Ganzen. Wir hier im Rosengarten lieben unseren Beruf, sind mit ganzem Herzen Gastgeber – versuchen jeden Tag auf’s Neue unseren Gästen einen schönen Urlaub zu gestalten – mit unserem Haus, unserem Service, dem Essen und natürlich auch den Wanderungen. Und wir haben so viele liebe und nette Gäste – für die es Spass macht, da zu sein, und diese lieben Gäste haben uns in den letzten Wochen auch auf tröstliche Weise ihre Anteilnahme gezeigt und Verständnis gehabt. Deshalb habe ich auch den Mut dies hier niederzuschreiben.

Es ist nun mal so, dass man nur eine Mutter hat. Eine Mutter, die für einen da war, die einen groß gezogen hat, aber mit der man auch Auseinandersetzungen hatte – bei 47 Jahren nebeneinder sein, bleibt das nicht aus – Familie eben… Der Kampf gegen den Krebs prägte die vergangenen drei Jahre, seit dem Frühjahr 2012 wußten wir, dass die Zeit endlich ist. Viele von den Menschen, mit denen wir sprechen, kennen diese Diagnosen, die niederschmetternden Befunde, aber auch die kleinen Siege, die erreicht werden – gewissermaßen kleine Triumphe im Kampf gegen den Krebs. Mutter’s Tapferkeit ist einfach bewundernswert, wie sie alles ertragen hat, stets versucht hat, ihre Kinder und vor allem ihr Enkelkind zu schützen, vor Trauer zu bewahren. Chemos weggesteckt, Fieberschübe durchgestanden, Infektionen abgewehrt – immer gekämpft, bis dann irgendwann die Kraft nicht mehr reichte.

So bleibt dann einhergehend mit einer tiefen Trauer auch immer ein Gefühl der Dankbarkeit für die erlebten guten Stunden, ein Gefühl der Hoffnung nach den überstandenen Strapazen und ein Gefühl des Glaubens an eine bessere Welt, jenseits unseres Verständnisses. Wir hatten das Glück, sie bis zum Schluß bei uns in der Familie zu haben, zusammen mit der Hospizgruppe konnten wir sie pflegen und sie ist nicht allein entschlafen. Danach hatten wir sie noch zwei Tage bei uns im Haus zum Abschied nehmen, wer wollte, auch mal eine Stunde allein bei ihr, aber auch gemeinsam mit dem Pfarrer, es war eine würdige heilige Zeit.

Und dann kehrt der Alltag wieder ein, soll er auch, ja muss er auch, denn es gibt so vieles noch zu bewirken, so viel Gutes noch im hiersein. Und das sind dann manchmal die Momente, wo ich mich ertappe, ein schlechtes Gewissen bekomme, dass ich einen ganzen Tag lang nicht dran dachte an das, was vor vier Wochen erst passiert war und sie kommt wieder hoch die Trauer und es ist gut so – besser als wenn sie tief vergraben wäre…

Heute war ich mit den Gästen wieder wandern durch verschneite Wälder auf Wegen, wo nur wenig Menschen, aber Rehe, Füchse, Marder und Hasen unterwegs waren. Und ich habe es genossen – es war so schön. Der Schnee dämpft die Schritte, verschluckt die Geräusche und selten ist die Stimmung so anheimelnd wie an einem Wintertag mit Schnee im Wald. Ich denke auch den Gästen hat’s gefallen und auch meiner Mutter hätte es gefallen, denn wenn sie noch wäre, dann hätte sie mich geschickt, nach draußen, in den Schnee, mit den Gästen um eine gute Zeit zu haben und ihr nachher davon berichten zu können, jetzt in Gedanken, aber früher ganz selbstverständlich auch mit Worten.

Und so freue ich mich wieder auf das was noch kommt, wohlwissend das nicht immer alles rosig ist, aber lebenswert – erlebenswert ist es allemal. Nur wer durch die Täler geht, wird die Höhen auch zu schätzen wissen.

In diesem Sinne, auf bald und in Zukunft wieder öfter.

Ihr/ Euer Wanderkoch und seine ganze Familie

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