Wald ist nicht ….

… immer gleich Wald. Zumindest das Verständnis der Menschen, wie ein Wald aussehen sollte, geht manchmal gehörig auseinander.  Eindrücklich gezeigt wurde unserer Wandergruppe dies bei einer Exkursion durch die Grindenlandschaft und das Naturschutzgebiet Schliffkopf. Kennen tun die meisten Menschen unseren Wald im Schwarzwald als immergrünen Nadelwald, geprägt vor allem von der alles dominierenden Fichte. Dies liegt insbesondere daran, da der Wald ein Wirtschaftswald ist, welcher seit Jahrhunderten von den Menschen bearbeitet und genutzt wird. Die letzten großen Pflanzmaßnahmen wurden nach Kahlschlägen, den sogenannten Reparationshieben als Kriegsschuld an die Siegermächte, unternommen. Meine Elterngeneration hat noch in den Schulferien mit den Pflanzfrauen (analog den Trümmerfrauen) kleine Fichtenbäume gepflanzt und eine letzte große Welle an Monokulturanpflanzungen im Schwarzwald geschaffen. Dies wurde so intensiv betrieben, dass die Urlaubsgäste in den Siebzigern und Achtzigern immer vom dunklen Wald sprachen, wo man vor lauter Bäumen keine Aussichten mehr hatte und das Wandern oft dunkel und langweilig war. Erst die Stürme Wiebke und Vivian und später dann der Orkan Lothar haben große Lücken ins Waldbild gerissen, so dass wir wieder tolle Aussichten in die Täler bekamen und die Zahl der Wanderziele richtig super war und noch ist.

In Naturschutzgebieten hat der Mensch andere Ziele wie die wirtschaftliche Nutzung – eben den Schutz der Natur und Prozesse dürfen noch so ablaufen, wie sie von Mutter Natur vorgesehen, aber den ökonomischen Interessen des Menschen entgegengesetzt sind. Insbesondere der Anteil an alten Bäumen und abgestorbenen Bäumen ist in solchen Naturschutzgebieten in nadelwalddominierten Flächen  augenfällig im Gegensatz zum Wirtschaftswald. Und so waren wir mit einer Wandergruppe unterwegs, um eben dies zu sehen:

Man sieht ganz unterschiedliche Dinge – vor allem der Kontrast der Farben „GRÜN“ und „GRAU“ fällt ins Auge. Aber irgendwie ist dies auch ein Spiegelbild des Lebens an sich, es gibt junge grüne, voll im „Saft stehende“ Bäume und mittelgroße Bäume, aber insbesondere auch graue und alte Exemplare. Sehr abwechslungsreich und ungewohnt im Waldbild, aber eben insofern normal, als dass dies der Gang der Zeit ist: für Bäume genauso wie für uns Menschen…

Wenn man die Dinge isoliert betrachtet, sieht es fast gespenstisch aus:

Wenn der Blick sich nun auf den Boden, den Jungwuchs richtet, sieht die Sache schon anders aus, grüner eben:

Und im Grunde darf man die Sache nur im Zusammenhang betrachten und dann gibt es auch ein rundes Bild – eben den Kreislauf der Natur:

–> alle drei vorhergehenden Bilder sind von der selben Stelle fotografiert und wirken doch so unterschiedlich. Es ist halt immer der Blickwinkel bzw. die Betrachtungsweise.

Und das Schlimmste ist dann immer wieder der Begriff „Totholz“, wo doch in diesen Bäumen mehr verschiedenartiges Leben steckt, als man denkt – Pilzen, Flechten, Käfer u.v.m. Und das Holz wird dann wieder zu Humus und gibt Nährstoffe frei, die anderen jungen Bäumen beim Wachstum helfen, quasi wie Düngestäbchen. Und sogar mechanischen Nutzen haben solche vermeintlich toten Bäume, wie die nachfolgende Aufnahme einer Spechtschmiede zeigt:

Und weil das alles jetzt für die Wandergruppe so schwere Kost war, gab es zum Abschluss auf dem Heimmarsch durch das Rotmurgtal noch das obligatorische Kirschwasser vom Wanderführer – wohl bekomms!!!

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